Das Jahr 1986 begrüßte ich genauso freudig und erwartungsvoll wie die anderen Landsleute. Am ersten Februar wurde ich gerade 31 Jahre alt.

Der Frühling aber brachte mir was ganz Anderes.
Eines schönen Morgens konnte ich plötzlich nicht mehr richtig gehen, ich machte eher den Eindruck eines Betrunkenen. Schmerzen hatte ich keine.

Nach dem Besuch des Hausarztes wurde ich monatelang mit Kreislaufmitteln behandelt... Es trat aber keine Besserung ein, im Gegenteil.

Auf mein energisches Drängeln hat mich der Hausarzt dann zu einem Neurologen weitergeleitet.
Nach verschiedenen Untersuchungen wurde es klar, daß sie mit Kreislaufmitteln auf dem Holzweg waren.
Erst als eine CT Untersuchung durchgeführt wurde, kam der Neurologe zur Schlußfolgerung, daß es sich in meinem Fall um MS handeln könnte...

Mehrere Monate lang war ich arbeitsunfähig, ohne zu ahnen, wie es weiter gehen wird. In einem Krankenhaus wurde ich schließlich mit Kortison behandelt und es ging mir wieder etwas besser...

Dann hat die Rentenversicherung eine Umschulungsmaßnahme vorgeschlagen, da ich meinen ursprünglichen Beruf, Elektrotechniker im Außendienst, nicht mehr ausüben konnte. So drückte ich mit 31 Jahren wieder zwei Jahre lang die Schulbank und wurde Bürokaufmann.

Im Laufe der Jahre kamen bessere und schlechtere Zeiten, aber letzten Endes wurde mein Aktionsradius immer kleiner, da ich mich schlecht bewegen konnte und sogar die Feinmotorik stark beeinträchtigt wurde.

Ich habe nicht nur meine Ehefrau sondern auch viele meiner früheren “Freunde” verloren und die neuen Bekanntschaften entwickelten sich schwierig. Es war ja nicht so leicht, damit fertig zu werden, daß man mit 31 Jahren schon behindert ist. Dazu kamen natürlich auch finanzielle Schwierigkeiten, denn es war nicht so einfach, meinen gewohnten Lebensstandard fortzuführen. Ich kam mir wie ein Passagier der Titanic vor.

Als Rettungsboot kam für mich der PC.
Einerseits habe ich durch Selbsthilfegruppen viele andere Betroffene kennengelernt, andererseits waren diese Treffen nur einmal im Monat für zwei Stunden und dann war ich wieder alleine mit meinem Elend.

Im Jahre 2003 beantragte ich die Erwerbsunfähigkeitsrente, welche nach einem  einjährigen Spiessrutenlauf endlich gewährt wurde. Freilich muss gesagt werden, daß nach meiner Scheidung es gerade zum Leben reichte. Vielleicht auch aus diesem Grunde verschloß ich mich immer mehr und meine Gedanken kreisten nur um die Krankheit. Der einst heitere Himmel war mit dunklen Wolken verhängt.

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